Radialkolbenmotor oder Orbitalmotor.Was im Fahrwerk steckt.
Im Datenblatt steht beim Fahrantrieb oft nur ein Herstellername. Dahinter stecken zwei Bauarten von Hydraulikmotoren, die beide die Ketten antreiben und sich unter Last trotzdem verschieden verhalten. Hier lesen Sie, wie Orbitalmotor und Radialkolbenmotor arbeiten und wann sich der teurere Kolbenmotor für Ihre Arbeit rechnet.
Fahrantrieb · Technik & KostenKurz gesagt
- Leichte bis mittlere ArbeitOrbitalmotorKompakt, günstig, weit verbreitet
- Hohe DauerlastRadialkolbenmotorMehr Druck, Bremse im Motor möglich
- Den Ausschlag gibtIhr EinsatzStunden, Gelände, Anbaugerät
Zwei Bauarten für dieselbe Aufgabe
Beide Motoren machen aus Öldruck eine Drehbewegung, und beide sind Langsamläufer: Sie liefern viel Drehmoment bei wenigen Umdrehungen. Deshalb sitzen sie bei kleinen Kettenladern direkt am Kettenrad, ohne Getriebe dazwischen. Der Unterschied liegt im Inneren.
Im Orbitalmotor, auch Orbitmotor oder Gerotor genannt, läuft ein Innenrad in einem Außenring, der einen Zahn mehr hat. Das Öl füllt nacheinander die Kammern zwischen beiden und schiebt das Innenrad weiter. Das ist einfach gebaut, kompakt und günstig.
Im Radialkolbenmotor stehen mehrere Kolben sternförmig in einem Zylinderblock. Öl drückt sie nach außen, ihre Rollen laufen gegen einen Nockenring mit mehreren Erhebungen. Jeder Kolben arbeitet so mehrmals pro Umdrehung. Mehr Teile, mehr Fertigungsaufwand, dafür hält die Bauart deutlich höhere Drücke aus.
Der Druck macht den Unterschied
Das Drehmoment eines Hydraulikmotors ergibt sich aus Schluckvolumen und Druck. Wer mehr Druck verträgt, holt aus der gleichen Baugröße mehr Kraft. Die Herstellerangaben zeigen den Abstand:
| Motor | Druck laut Hersteller | Was das heißt |
|---|---|---|
| Orbitalmotor Danfoss OMS | 210 bar dauerhaft, 275 bar kurzzeitig | Spitzen nur bis zu 10 % jeder Minute |
| Radialkolbenmotor Poclain MS02 | bis 450 bar | Bis 2.500 Nm aus 398 cm³ |
| VMENG SAM 1950, Fahrantrieb | bis 400 bar | Poclain-Kolbenmotoren, bis 10,8 km/h |
Im Alltag merken Sie das an der Steigung mit voller Schaufel, beim Schieben in einen Erdhaufen oder wenn der Mulcher sich festbeißt und die Maschine trotzdem weiterkriechen soll. Ein Orbitalmotor kommt dort an seine Spitzenwerte, die er nur kurz halten darf. Ein Radialkolbenmotor hat an dieser Stelle noch Reserve.
Wo es im Einsatz spürbar wird
Fahrantrieb und Anbaugerät hängen an derselben Hydraulik. Was der Fahrmotor an Öl intern verliert, wird zu Wärme und fehlt an anderer Stelle. Radialkolbenmotoren dichten über Kolben in Bohrungen ab statt über Zahnflanken. Sie verlieren deshalb gerade bei langsamer Fahrt unter hoher Last weniger Öl.

Das zählt bei Arbeiten, die lange am Stück laufen: Forstmulcher, Grabenfräse, Bodenfräse, Schneefräse. Dort fährt die Maschine im Kriechgang und das Anbaugerät zieht gleichzeitig viel Öl. Für diese Arbeit sind der SAM 1950 mit 79,8 l/min am Anbaugerät und seine Poclain-Fahrmotoren gebaut.
Beim Pflastermaterial-Fahren im Garten, mit Pausen zum Abladen, spielt dieser Unterschied kaum eine Rolle.
Bremse, Kriechgang und Schmutz
In seine MT-Fahrmotoren für Kettenlader baut Poclain eine Lamellenbremse ein, die eine Feder schließt und der Öldruck öffnet. Fällt der Druck weg, steht die Maschine. Außerdem beschreibt der Hersteller ruhige, genaue Bewegungen auch bei sehr langsamer Fahrt. Das hilft beim Rangieren mit Last nah an Mauer, Zaun oder Fahrzeug.
Bei Kettenlader-Motoren nennt Poclain außerdem Dichtungen, die festgebackenen Schlamm aushalten, und einen Direktantrieb ohne Planetengetriebe, der keine Wartung braucht. Fragen Sie bei jeder Maschine nach, wie die Feststellbremse gebaut ist. Das gilt für beide Motorarten.
Wann der Orbitalmotor völlig reicht
Der Orbitalmotor ist die einfachere Bauart. Er ist günstig, kompakt und kommt mit verschmutztem Öl vergleichsweise gut zurecht. Ersatz bekommen Sie von vielen Herstellern, und viele kleine Lader fahren seit Jahren zuverlässig damit.
- Sie bewegen vor allem Material: Erde, Schotter, Paletten.
- Die Maschine läuft einige Stunden pro Woche, nicht jeden Tag acht Stunden.
- Ihre Anbaugeräte brauchen wenig Öl: Schaufel, Palettengabel, Erdbohrer, Greifer.
- Das Gelände ist eben oder nur leicht geneigt.
Trifft das auf Sie zu, kaufen Sie mit dem Kolbenmotor Reserve, die Sie selten abrufen. Wer dagegen täglich mulcht, fräst oder am Hang arbeitet, sollte genau hinsehen.
Die VMENG-Modelle mit Poclain-Antrieb
Bei Derette fahren drei Kompaktlader mit Poclain-Kolbenmotoren. Alle drei bedienen Sie im Stehen.
| Modell | Breite | Betriebsgewicht | Kipplast | Fahren |
|---|---|---|---|---|
| SAM 1000Z Max | 915 oder 1.070 mm | 1.515 kg | 1.426 kg | 7,96 km/h |
| SAM 1200 | 915 oder 1.070 mm | 1.650 kg | 1.555 kg | 7,96 km/h |
| SAM 1950 | 1.134 mm | 2.150 kg | 2.591 kg | 10,8 km/h |

Was Sie den Händler fragen sollten
Ein Herstellername im Prospekt reicht nicht. Diese Fragen klären, was wirklich im Fahrwerk steckt:
- Welche Bauart und welche Baureihe hat der Fahrmotor?
- Für welchen Dauer- und Spitzendruck ist der Fahrantrieb ausgelegt?
- Wo sitzt die Feststellbremse, und was passiert bei Druckverlust?
- Was kostet ein Austauschmotor, und wie schnell ist er da?
- Wer repariert ihn, und in welcher Werkstatt?
Die übrigen Punkte für den Kauf stehen in der Checkliste für den Kompaktlader-Kauf. Bei Maschinen aus Fernost hilft außerdem der Artikel Minibagger und Kompaktlader aus China.
Den Unterschied spüren Sie am besten selbst. Fahren Sie den SAM 1200 oder den SAM 1950 bei einer Vorführung auf Ihrer Fläche, gern mit dem Anbaugerät, das Sie am häufigsten brauchen.
Häufige Fragen
Was ist ein Orbitalmotor?
Ein Hydraulikmotor, in dem ein Innenrad in einem Außenring mit einem Zahn mehr läuft. Öl füllt nacheinander die Kammern dazwischen und dreht so die Welle. Andere Namen sind Orbitmotor und Gerotor-Motor.
Welche Arten von Hydraulikmotoren gibt es?
Die üblichen Bauarten sind Zahnradmotor, Orbitalmotor, Axialkolbenmotor und Radialkolbenmotor. Als Langsamläufer direkt am Rad oder Kettenrad sitzen vor allem Orbital- und Radialkolbenmotoren.
Wie hoch ist der Wirkungsgrad eines Hydraulikmotors?
Das hängt stark von Druck, Drehzahl und Öltemperatur ab, Hersteller geben dafür Kennfelder an. Ein einzelner Prozentwert sagt wenig. Radialkolbenmotoren verlieren bei langsamer Fahrt unter hoher Last weniger Öl über innere Leckage als Orbitalmotoren.
Ist ein Ölmotor dasselbe wie ein Hydraulikmotor?
Ja. Ölmotor ist der umgangssprachliche Name für einen Hydraulikmotor, gleich welcher Bauart.
Kann ich einen Orbitalmotor gegen einen Kolbenmotor tauschen?
Nicht ohne Weiteres. Anschlussmaße, Drücke, Pumpe, Ventile und Bremse müssen zusammenpassen. Das ist eine Entscheidung des Maschinenherstellers, kein Nachrüstteil.